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Konturen einer medialen Phänomenologie

Dass Bilder zwischen dem Regime der Dinge und dem Regime der Zeichen niemals einen angestammten Platz erhielten und nicht Gegenstand einer eigenen Wissenschaft wurden, ist keinem wiedergutzumachenden Vergessen geschuldet, sondern Ausdruck eines anfänglichen Skandalons, das historisch auch die Geburtsstunde der Philosophie einläutete. Bilder lassen sich nicht einmal als reine Erscheinungen absondern, weil in ihnen als Wasserzeichen stets durchscheint, was sie sichtbar werden ließ. An Husserls Grundlegung einer Phänomenologie des Bildes lässt sich das obstinate Unterfangen verfolgen, die Bilderscheinung von jeder medialen Kontamination freizuhalten. Emmanuel Alloas Archäologie der Medienvergessenheit legt jenes Doppelparadigma frei, das die westliche Tradition seit Anbeginn begleitet – Transparenz und Opazität – und sich vor jenen Begriff schiebt, den es zu übersetzen beanspruchte: In der aristotelischen Wahrnehmungstheorie bezeichnet das Diaphane die Fähigkeit eines Mediums, die Form von etwas anzunehmen, ohne es zu sein. Auf unerwartete Weise wird durch Aristoteles’ Lehre vom Diaphanen erhellt, worin die Macht von Bildern liegt.

Emmanuel Alloa

Das durchscheinende Bild

Broschur, 352 Seiten, zahlr. Abb., 16,5 x 22,5 cm

Mit Bibliografie

€ 34,90, CHF 54,00

PDF, 352 Seiten, 2.8 MB, zahlr. Abb.

Mit Bibliografie

€ 34,90, CHF 45,00

  • Aristoteles
  • Medientheorie
  • Bildtheorie
  • Phänomenologie
  • Wahrnehmung
  • Edmund Husserl

»Eine Recherche nach der Logik des Bildes, die sich auf Augenhöhe mit gegenwärtigen bildphilosophischen Debatten befindet.« Michael Mayer, NZZ

Zu Bildern unterhält die abendländische Denkgeschichte eine seit jeher ambivalente Beziehung. Ob als bloßer Schein von Anbeginn ausgeschlossen oder, im besten Falle, als uneigentliche Behelfsmomente auf dem Weg zu authentischem Wissen funktionalisiert – in ihrer Eigenständigkeit wurden Bilder kaum je zum Thema. Emmanuel Alloa verfolgt nun die Hypothese, dass Bilder nicht aufgrund irgendeiner Bildblindheit marginalisiert wurden, sondern dass die Subordination des Ikonischen unter andere Sinnkategorien selbst bereits eine strategische Antwort auf die be­unruhigende Kraft der Bilder darstellte. Wenn Bilder wahlweise als Zeichen oder als Dinge begriffen, als ›offene Fenster‹ verteidigt oder als reglose Objekte diskreditiert wurden, dann legen diese Theorien ein Doppelparadigma frei, das die westliche Tradition seit ihren Anfängen begleitet: Transparenz und Opazität. Das Buch zeichnet die Archäologie dieses Doppel­paradigmas nach, das sich vor den Begriff schiebt, den es zu übersetzen beansprucht: das Diaphane. In Aristoteles‘ Wahrnehmungslehre verweist das Diaphane, als das durchsichtig-durchscheinende Medium der sinnlichen Welt, auf Medialität als elementare Fähigkeit, die Form von etwas anzunehmen, ohne es zu sein.

Vor diesem medienphilosophischen Hintergrund befragt Alloa das Projekt der Phänomenologie neu und weist dessen verdrängten medialen Kern auf. Ein Denken der medialen P­hänomenologie konturiert sich dabei, das die Frage nach den Erscheinungsfaktoren überhaupt erst von der Singularität der Erscheinungsfakturen her gewinnt und das Reflexionspotenzial von Bildern und Medien in ein ungeahntes neues Licht rückt.

Emmanuel Alloa

ist promovierter Philosoph. Von 2008 bis 2011 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am NFS Bildkritik in Basel, seit 2012 hat er eine Assistenzprofessur für Kulturtheorie und Kulturphilosophie an der Universität Sankt Gallen inne.

»Allein dass wir uns auf Bilder verstehen, bedeutet noch nicht, dass wir auch ihre Wirksamkeit schon verstehen

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