Nutzerkonto

Diskurs

Von Bäumen, Neophyten und Druiden
Von Bäumen, Neophyten und Druiden

Damian Christinger, Monica Ursina Jäger

Fiktionen von Heimat

Durch den Klimawandel werden sich die Wälder in der Schweiz grundlegend verändern. Wir sitzen hier im Zug von Chur nach Zürich und schauen auf die Winterlandschaft, die an uns vorbeizieht. Das Weiß des Schnees kontrastiert mit den braunen Grundtönen der umliegenden Wälder. Einige immergrüne Nadelbäume und der Efeu setzen farbliche Gegenakzente. Wenn mein Sohn, der heute in den Kindergarten geht, mit seinem Enkel die gleiche Strecke befahren wird, werden die Wälder im Winter grün sein. So zumindest prognostizieren es die...
ABO EN

 

Aktuelle Texte
Blut!

Ines Kleesattel

Blut!

OPEN
ACCESS
EN
  • Subjektivierung
  • Blick
  • Feminismus
  • Körper
  • Weiblichkeit
  • Gender
  • Malerei
Aktuelle Texte

Marcus Quent

Vom Verrinnen der Zeit in der absoluten Gegenwart

Wenn der »Glaube an die Welt« fehlt, wenn man die Welt verloren hat oder ihrer beraubt wurde, so ist alles, was in einem solchen Zustand des Unglaubens übrigbleibt, das Verrinnen der Zeit. Das Verrinnen der Zeit, das heute mehr und mehr zu sich selbst zu kommen scheint, sich seiner Vollendung zuneigt, ist ein Prozess, der von den Einzelnen als undurchsichtiges und widersprüchliches Geschehen erfahren wird, der aber als solches unbegreifliches Geschehen zugleich die Gestalt eines unumstößlichen Faktums annimmt. Dass Zeit nur verrinnen kann, dass es sie nur als verrinnende, als Maß ihres eigenen Verrinnens gibt, wird allgemein akzeptiert und vorausgesetzt. Diese allseits vorherrschende Überzeugung, die sich selbst als reines Faktum präsentiert, gründet jedoch in einem Vergessen und einem Verrat. Vergessen und verraten sind, mit Deleuze gesprochen, die in der Welt hervorgerufenen »Ereignisse« und die in die Welt gebrachten »Zeit-Räume«. Sie zeugen von der Möglichkeit und Wirklichkeit eines anderen Zeit-Maßes. Vergessen...

ABO EN

 

Sei Jack!
Sei Jack!

Michael Heitz, Hendrik Rohlf

Umas Gesicht – Thurmans Stimme

Als die gerade 18-jährige Uma Thurman 1989 in Terry Gilliams The Adventures of Baron Munchausen als makellos schöne Filmvenus der Muschel entstieg, war nicht unbedingt abzusehen, wie ausdauernd sie ihr Gesicht hinhalten würde für ein System, das mit Hollywood, Miramax, Weinstein und Co. sicher nicht ausreichend bezeichnet ist. Dass sich das Gesicht Umas, die von ihrem Vater als »reinkarnierte Göttin« gesehen wird und deren Name im Sanskrit »Glanz«, »Licht« bedeutet und ein Beiname der hinduistischen Muttergöttin Parvati ist, als Projektionsfläche...
OPEN
ACCESS
EN
  • Kulturindustrie
  • Hollywood
  • Gesicht
  • Performativität
  • Kino
Aktuelle Texte

Damian Christinger

Konkave Gedanken zum konkaven Denken

Ob Archimedes im 3. Jh. vor unserer Zeitrechnung die römische Flotte vor Syrakus tatsächlich mit Hilfe von Hohlspiegeln in Brand steckte, gilt unter Philologen, Experimental-Archäologen und anderen Experten für Archaisches und Arkanes als äußerst umstritten. Zu lange die Zeit, in der die Schiffe unbeweglich ein Ziel hätten abgeben müssen. Da aber eine der erste Beschreibungen der antiken Laser von Lukian von Samosata stammt, kommen auch andere Möglichkeiten, anstelle der normalerweise zur Schmälerung von Archmides’ Genie ins Feld geführten Übersetzungsfehler, für die Legendenbildung in Frage. Lukian war nicht nur ein ausgezeichneter Satyriker, er kann vielleicht auch als Erfinder der Science-Fiction gelten, so zumindest sehen ihn hunderte Jahre später Erasmus von Rotterdam und Thomas Morus, die gemeinsam einige seiner Schriften herausgeben (luciani opuscula, 1506).

Lukian von Samosata war ausgebildeter Künstler – so behaupten es seine wenigen Biografen – und sehr an ästhetischen Fragen interessiert. Ihm war also das gefährliche Potential einer konkaven Spiegelfläche...

OPEN
ACCESS
  • Optische Medien
  • Antike
  • Gegenwartskunst
Aktuelle Texte

Andreas L. Hofbauer

Joch des Seins

Nicht durch Natur und ihre Fährnisse wurde Domestizierung erzwungen und der ökonomische Schrein ermöglicht. Tempel- und Totenkult, Opferung und Verteilung des Fleisches – noch für Homer sind alle Schlachttiere hieria, heiliges Vieh – und die Einhegung der Wildheit produzieren symbolischen und soziokulturellen Wandel, der für sesshafte, nahrungsproduzierende Gemeinschaften zu Vektor und Motor wird. Nicht Schafe, Ziegen oder Rinder domestizierte man im Anfang, sondern das zoon logon echon selbst war es, das sich vor und unter dem selbstgeschaffenen Kult-Joch verneigte. Warum, wissen wir nicht. Darüber hinaus ist entscheidend, dass, anders als bei den Pflanzen, sich nur sehr wenige Tierarten domestizieren (zur Ressource machen) lassen und man diesen Vorgang nicht mit Zähmung verwechseln sollte. Als Epiphänomen entwickelt sich ökonomischer Sinn. Er transformiert sich vom möglichen Menschenopfer, zum Tieropfer, zu Fleischteilung, in der Frühzeit der »griechischen« Antike dann zu den obeloi (Bratspieße, versehen mit unterschiedlichen Verdickungen, die als Token für den Fleischsold der...

OPEN
ACCESS
EN
  • Ethnologie
  • Anthropologie
  • Nomadentum
  • Ökonomisierung
  • Geld