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Wissenschaft

Dies ist keine Zeit für Fakten
Dies ist keine Zeit für Fakten

A.K. Kaiza

Eine kommentierte Geschichte Wakandas

Der Film Black Panther, der erfolgreichste Superheldenfilm aller Zeiten, stellt Wakanda auf eine sehr spezifische und vielleicht emanzipatorische Weise dar. Black Panther, jetzt der König des verborgenen Superstaates, steht seinem Erzfeind Killmonger gegenüber, der für einen Aufstand gegen den neoliberalen Imperialismus Waffen an den Globalen Süden verteilen will. Die Szene, die Erik »Killmonger« Stevens, den Antagonisten von Ryan Cooglers Helden, vorstellt, spielt in einem Museum. Killmonger (gespielt von einem auratischen Michael B. Jordan) wird von einer weißen Expertin durch eine westafrikanische...
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Andreas L. Hofbauer

Joch des Seins

Nicht durch Natur und ihre Fährnisse wurde Domestizierung erzwungen und der ökonomische Schrein ermöglicht. Tempel- und Totenkult, Opferung und Verteilung des Fleisches – noch für Homer sind alle Schlachttiere hieria, heiliges Vieh – und die Einhegung der Wildheit produzieren symbolischen und soziokulturellen Wandel, der für sesshafte, nahrungsproduzierende Gemeinschaften zu Vektor und Motor wird. Nicht Schafe, Ziegen oder Rinder domestizierte man im Anfang, sondern das zoon logon echon selbst war es, das sich vor und unter dem selbstgeschaffenen Kult-Joch verneigte. Warum, wissen wir nicht. Darüber hinaus ist entscheidend, dass, anders als bei den Pflanzen, sich nur sehr wenige Tierarten domestizieren (zur Ressource machen) lassen und man diesen Vorgang nicht mit Zähmung verwechseln sollte. Als Epiphänomen entwickelt sich ökonomischer Sinn. Er transformiert sich vom möglichen Menschenopfer, zum Tieropfer, zu Fleischteilung, in der Frühzeit der »griechischen« Antike dann zu den obeloi (Bratspieße, versehen mit unterschiedlichen Verdickungen, die als Token für den Fleischsold der...

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Dieter Mersch

Digital Disrupture

Theorien des Digitalen beziehen ihre Konjunktur aus einer zweideutigen Lage. Zum einen besitzen sie ihre Herkunft in den Visionen und Utopien der gegenkulturellen Aufklärung der 1970er Jahre, aus denen nicht nur der Personal-Computer, sondern auch die Medienwissenschaften und Medientheorien hervorgegangen sind, die den digital disrupture theoretisiert und unter Reflexion gestellt haben und nach deren Diagnose wir vor einer ebenso nachhaltigen Zäsur stehen wie die frühe Neuzeit mit der Erfindung des Buchdrucks. Alle Zeichen und Inhalte bisheriger Kulturen stehen damit auf dem Prüfstand, werden transformiert und von einer Entwicklung überholt, deren weitere Dynamik kaum absehbar ist. Die mit der Digitalisierung verbundene technologische Wende, so die allgemeine Analyse, werde alle Lebensverhältnisse dermaßen verändern und von Grund auf durchschütteln, dass mit Marshall McLuhan und dessen zusammen mit Quentin Fiore verfassten Buch, dessen Titel ironischerweise nicht lautet: The Medium is the Message, sondern The Medium is the Massage, von einer gründlichen ›Massage‹ des gegenwärtigen...

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  • Farbe und Bedeutung

    Farbe und Bedeutung

    Who is afraid of Red, Yellow, Blue…?

    • Semiotik / Semiologie
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    • Monochrom
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  • Choreographing multitudes

    Choreographing multitudes

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Jean-Luc Nancy

Des zétrangers des zah des zuh

Fremdartiger extraneus von draußen nicht von drinnen (intraneus) nicht von zu Hause unheimlich nicht von daheim
vor den Toren – fores foreigner nicht im Einklang zu viel odd irregulär nicht normal selten sonderbar seltsam merkwürdig besherat tapfer elegant eigensinnig durchgedreht verschroben falsch frappierend ungewöhnlich erstaunlich

 

Es ist erstaunlich wie reich wir sind an Wörtern Formen Weisen die um das seltsam Fremde des Ausländers kreisen der nicht unser Landsmann ist pas pays avec nous wie man früher in Frankreich sagte c’est un pays à moi für jemanden aus meinem Dorf meiner Gegend meiner Provinz meinem Nest

 

Reich im Übermaß für alles was nicht nah und eigen geeignet passend mitmenschlich ist kein Mitdasein

 

Denn wir nehmen an dass mit avec with stimmig gehaltvoll solide und solidarisch ist und dass das was without avecsans mitohne ist außermittig oder außermitmenschlich

 

Aber »mit« »selbig« »nah« verlangt das Abrücken das Außen

 

Eine Geschichte des Sehens und des Sehenlernens
Eine Geschichte des Sehens und des Sehenlernens

Emilie Bickerton

Die Feuerprobe

Im April 1951 erschien ein schmales Magazin mit gelbem Umschlag, auf dem der Titel Cahiers du cinéma. Revue mensuelle du cinéma et du télécinéma prangte. Die Redaktion hatte ihren Sitz in einem engen Raum an der Avenue des Champs-Elysées Nr. 146. Das Eröffnungsmanifest prangerte die »üble Gleichgültigkeit« an, »die sich mit mittelmäßigem Kino zufriedengibt«, eine »biedere Filmkritik« und das »abgestumpfte Publikum«: Das Gros der französischen Kritik und des Publikums stützte sein Urteil über Film auf politische Beeinflussung und patriotische Impulse...
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Aktuelle Texte

Claus Pias

Zur Horizonterweiterung behandelbarer Probleme

Das Terrain, das ich seit einiger Zeit umkreise und in das ich an verschiedenen Stellen eingebrochen bin, um einige Beutestücke zu ergattern, heißt Simulation. Von den jungen Geisteswissenschaftlern erwarte ich nun ein stirnrunzelndes: »O je – das ist ja ein Rückfall in die späten 80er oder frühen 90er und mindestens so out wie Baudrillard oder Medienkunst mit Datenhandschuhen!« Ja, das stimmt, aber genau deshalb müssen wir neu darüber sprechen lernen. Denn das Thema Computersimulation (und ich meine hier ausschließlich wissenschaftliche Simulationen) scheint schon angesichts von mehreren Tausenden lieferbarer Bücher zu diesem Thema von kaum zu unterschätzender wissenschaftlicher und praktischer Bedeutung. Trotzdem ist es wissenschafts- und medienhistorisch nicht aufgearbeitet. Es gibt nicht mehr als ein gutes Dutzend Aufsätze über den epistemischen Status von Computersimulationen und es reicht eine einzelne Hand, um die medien- oder wissenschaftshistorischen Studien abzuzählen, die einmal exemplarisch aufgearbeitet haben, wie sich eine einzelne Wissenschaft durch Computersimulation im Lauf der letzten...

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Aktuelle Texte

Michael Hirsch

10 Thesen über Kunst und Politik

Meine Kritik an bestimmten Formen der institutionalisierten Selbstbeschreibung zeitgenössischer Kunst und Kultur lautet, dass diese dazu tendieren, kulturelle Arbeit in einem Augenblick zu respezialisieren, in welchem ­diese Arbeit verallgemeinert werden könnte und sollte (vor allem durch ein allgemeines garantiertes Grundeinkommen). Der Künstler (wie der Schriftsteller oder der Theoretiker) ist ein Platzhalter des General Intellect, ein Platzhalter der Emanzipation menschlicher Aktivitäten von professionellen Rollen, Disziplinen, Routinen und sozialen Definitionen von Wert. Worum es hier geht, ist die Idee des freien Austauschs: die Befreiung unseres gegenseitigen Austauschs, unseres Mit-seins, unserer Kommunikation. Die Verlagerung großer Teile der Kulturproduktion auf Diskurse der Selbstbeschreibung und Legitimation ist extrem problematisch. Sie verlagert die Energie auf Anstrengungen zur Rechtfertigung – auf die Konstruktion eines imaginären sozialen Gebrauchswerts.

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