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Wissenschaft

Der unbekannte Text ist ein Versprechen
Der unbekannte Text ist ein Versprechen

Michele Pedrazzi

The Next Bit. Hautnah am Körper des Unbekannten

Stellen wir uns vor, wir befinden uns in der Gegenwart eines unbekannten »semiotischen Objekts«. Es könnte sich um ein Gemälde, einen literarischen Text, ein Musikstück, ein Computerprogramm, ein kulturelles Artefakt im weitesten Sinne handeln: Das spielt im Moment keine Rolle, was uns interessiert, ist der fremde Charakter dieses Objekts, von dem wir zunächst einmal nichts wissen. Verweilen wir einen Augenblick in diesem interpretatorischen Schwebezustand. In Wirklichkeit gibt es diese Art von Tabula Rasa nicht, denn jedem Objekt, das zu uns...
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60 Billiarden Moleküle

Thomas Huber

60 Billiarden Moleküle

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Dieter Mersch

Digital Disrupture

Theorien des Digitalen beziehen ihre Konjunktur aus einer zweideutigen Lage. Zum einen besitzen sie ihre Herkunft in den Visionen und Utopien der gegenkulturellen Aufklärung der 1970er Jahre, aus denen nicht nur der Personal-Computer, sondern auch die Medienwissenschaften und Medientheorien hervorgegangen sind, die den digital disrupture theoretisiert und unter Reflexion gestellt haben und nach deren Diagnose wir vor einer ebenso nachhaltigen Zäsur stehen wie die frühe Neuzeit mit der Erfindung des Buchdrucks. Alle Zeichen und Inhalte bisheriger Kulturen stehen damit auf dem Prüfstand, werden transformiert und von einer Entwicklung überholt, deren weitere Dynamik kaum absehbar ist. Die mit der Digitalisierung verbundene technologische Wende, so die allgemeine Analyse, werde alle Lebensverhältnisse dermaßen verändern und von Grund auf durchschütteln, dass mit Marshall McLuhan und dessen zusammen mit Quentin Fiore verfassten Buch, dessen Titel ironischerweise nicht lautet: The Medium is the Message, sondern The Medium is the Massage, von einer gründlichen ›Massage‹ des gegenwärtigen...

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Jean-Luc Nancy

Des zétrangers des zah des zuh

Fremdartiger extraneus von draußen nicht von drinnen (intraneus) nicht von zu Hause unheimlich nicht von daheim
vor den Toren – fores foreigner nicht im Einklang zu viel odd irregulär nicht normal selten sonderbar seltsam merkwürdig besherat tapfer elegant eigensinnig durchgedreht verschroben falsch frappierend ungewöhnlich erstaunlich

 

Es ist erstaunlich wie reich wir sind an Wörtern Formen Weisen die um das seltsam Fremde des Ausländers kreisen der nicht unser Landsmann ist pas pays avec nous wie man früher in Frankreich sagte c’est un pays à moi für jemanden aus meinem Dorf meiner Gegend meiner Provinz meinem Nest

 

Reich im Übermaß für alles was nicht nah und eigen geeignet passend mitmenschlich ist kein Mitdasein

 

Denn wir nehmen an dass mit avec with stimmig gehaltvoll solide und solidarisch ist und dass das was without avecsans mitohne ist außermittig oder außermitmenschlich

 

Aber »mit« »selbig« »nah« verlangt das Abrücken das Außen

 

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    minima oeconomica

    Analysen und Kritik moderner Ökonomie, deren Wissenschaft und Legitmation im Zeitalter der Finanzialisierung

    • Wirtschaft
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  • Farbe und Bedeutung

    Farbe und Bedeutung

    Who is afraid of Red, Yellow, Blue…?

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Stefan Zweifel

Macht und Ohnmacht der Literaturkritik

Der Autor kuschelt sich wie der Neurotiker auf der Couch und kuscht […]. Husch, husch ins Körbchen, sagt der Analytiker zu den Neurosen und der Neurotiker nickt und nickt. Husch, husch ins Wörtchen, sagt der Kritiker, und der Autor kuscht. 


Und das Publikum? Es klatscht. Der Dressurakt ist gelungen. Der Autor liefert dem Leser, was ihm der Kritiker vorschreibt, und der Leser liest das, was ihm der Kritiker verschreibt. Das Lesen als ­Strafkolonie.


Dabei aber, und das ist die alte Falle der Dialektik, kuscht der Kritiker selbst. Er kuscht vor sich selbst, vor jenem Selbst, dessen Rolle er brav ausführt, und vergisst, dass das Lesen letztlich eine Suche nach einem anderen Ich wäre. Nach einem Ich, das sich allen Zuschreibungen entzieht. 


Das Ich wird zum Anderen so, wie in den Übersetzungen die eigene Sprache sich ins Fremdartige weitet. Es ist genauso wenig die Aufgabe des Kritikers wie des Übersetzers, den fremden...

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Robert Stockhammer

Welche Globalisierung im Bologna-Prozess?

Zu den clichés der Kritik an der »Bologna-Reform« gehört, dass sie die Mobilität von Studierenden, statt befördert, sogar behindert haben. Falls dies zutreffen sollte, so läge es nicht an der Erklärung von 1999 selbst, sondern daran, dass sie allzugut in den Trend zur Ökonomisierung (↑ Austauschbarkeit) und Beschleunigung von Bildung passte. Wer trotzdem noch bereit ist, während eines BA-Studiums ein Semester zu (wie man dazu heute sagt) »verlieren«, kann, wenn die Zuständigen an der Heimatuniversität einigermaßen mitdenken, sehr gut ein Auslandsjahr einlegen. Schwieriger allerdings kann es sein, einfach an eine andere Universität in nächster Nähe zu wechseln. Und dies ist in der Tat ein Effekt der Globalisierung, wenn man darunter (im Einklang mit vielen neueren Definitionen) versteht, dass Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen verschiedenen Lebensverhältnissen sich immer weniger proportional zur geographischen Entfernung verhalten: Man kommuniziert via neuerer Medien vertraut mit seinen Freunden in Japan, kennt aber seine Nachbarn nicht. Dementsprechend kann es...

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Wissen, ca. 1980
Wissen, ca. 1980

Nils Güttler (Hg.), Margarete Pratschke (Hg.), ...

Nach Feierabend 2016

Es stand nicht gut ums Wissen, ca. 1980. Genau genommen ging es schon seit der Frühen Neuzeit kontinuierlich bergab. Das mechanistische Weltbild und dessen Ideale – Quantifizierbarkeit, Messbarkeit, Wiederholbarkeit, usw. –, die seit ­Descartes, Galileo und Newton um sich zu greifen begannen, zeigten nun endgültig ihr hässliches, kaltes Gesicht. Drogenkonsum, das Emporschnellen der Suizid­raten, der Höchststand des »misery index«, das universelle Gefühl der Entfremdung waren deren logischer Endpunkt. Gefühle, Phantasie, Geist, Seele, alles Organische und Irrationale hatten in dieser Welt als großem...
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Aktuelle Texte

Elias Kreuzmair

Das immer neue Loslegen wie neu

Das Machen steht als Konkretes dem Ziel gegenüber. Es ist eine Unruhe im Machen: Wer anfängt, wer beginnt zu machen, weiß nicht, wo es hinführt, auch wenn das Ziel vor Augen steht. Das Machen beinhaltet immer die Gefahr der Digression, wer macht, setzt sich gerade der Gefahr der Abschweifung aus. Schlimmer noch: Wer macht, kann nicht einmal sagen, ob nicht diese Abschweifung die zielführende ist oder eine zielrekapitulierende; wer macht, gibt es auf, Pläne zu machen. Das Extrem jener Verdrängung des Ziels ist dessen Leugnung: »Warum machst du das?« »Weiß nicht. Einfach machen.« Es wird schon etwas dabei herausspringen. Im Machen stellt man sich dem Scheitern, das der Plan zu verdrängen droht. Machen ist der Aufschub des Ziels und das Ende des Aufschiebens.

»Was machst du?« ist der Frage nach der Profession synonym, öffnet sie jedoch zeitlich. Sie kann sich auf den unmittelbaren Moment genauso beziehen wie auf einen längeren Zeitraum....

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Stefan Porombka

Über den Untergang der guten alten Unterhaltung

Wer nicht dabei war, als am 4. September 1981 im Berliner Tempodrom Die große Untergangsshow über die Bühne ging, kann sich das Filmmaterial anschauen, das 25 Jahre später zusammengeschnitten und auf DVD veröffentlicht worden ist. Man sieht dann gleich, dass die Veranstalter keinen Wert darauf gelegt haben, ein professionelles Kamerateam mit der Dokumentation zu beauftragen. Zu sehen sind lediglich Schnipsel, die manchmal mitten im Auftritt einer Band oder einer Zwischenmoderation beginnen und gerne auch mal ebenso abrupt enden. Selbst im Nachhinein hat man sich am Schneidetisch nicht viel Mühe gegeben, die Übergänge weicher zu gestalten. Der Film wird dominiert vom harten Schnitt, der Stück für Stück von dem aneinandersetzt, was an Material von damals übriggeblieben ist. Bilder gibt es nur von einer einzigen Kamera, und die ist auch nicht gerade günstig positioniert. Der Kameramann steht in dritter, vierter Reihe im Publikum, hebt das Gerät etwas über Kopfhöhe und hält recht...

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