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Körperwissen und Medialität um 1900

Was hat eine Aktfotografie Wilhelm von Gloedens mit Zeichnungen von extrahierten Geschlechtsorganen zu tun? Was die Studiofotografie eines ›Mannweibs‹ vor romantischem Prospekt mit der vielspaltigen Tabelle sexueller Zwischenstufen? Oder die Künstleranatomie des Anthropologen Gustav Fritsch mit dem Röntgenbild eines Beckens, das Rudolf Virchow zur Begutachtung vorlag?
Ikonografisch und medientechnisch kaum etwas, epistemologisch sehr viel. Innerhalb der Prozeduren, mittels derer um 1900 bestimmt werden sollte, was das Geschlecht ist und wie es sich zeigt, wurden zahllose Bilder in Umlauf gesetzt. Zuweilen aber trat dabei nicht nur die Unbestimmbarkeit des Geschlechts, sondern auch die Unbestimmtheit der Bilder zu Tage.

Kathrin Peters

Rätselbilder des Geschlechts

Broschur, 232 Seiten, zahlr. Abb., 16,5 x 22,5 cm

Mit Bibliografie

€ 29,95, CHF 39,00

PDF, 232 Seiten, 31.2 MB, zahlr. Abb.

Mit Bibliografie

€ 29,95, CHF 34,00

  • Medizingeschichte
  • Wissenschaftsgeschichte
  • Körper
  • Wissensgeschichte
  • Gender
  • Fotografie

»Das nun erschienene Buch zu den ›Rätselbildern des Geschlechts‹ der Medienwissenschaftlerin Kathrin Peters ist bedeutend mehr als ein überfälliger Nachtrag aus der Sicht der Bildgeschichte zu einer bereits in großem Umfang geleisteten Forschung. Denn das Rätsel, dem alle diese Bilder gelten, erschöpft sich gerade nicht in der wissenschaftlichen Erkundung und fachgerechten Darstellung geschlechtlicher Ambiguität. Es sind vielmehr die Bilder selbst, die, gewissermaßen unter der Hand, die größten Probleme aufwerfen.« Steffen Siegel, FAZ

Zwei Ereignisse haben das Körperwissen im späten 19. Jahrhundert verändert: Zum einen ist das der Gebrauch technischer Apparate, die den Körper auf neue Weise sichtbar werden ließen – fotografische Verfahren, Röntgentechnik und die Vermessung der Gestalt. Zum anderen gewann ein Wissen an Kontur, dem zuvor eine diffuse Aufmerksamkeit zukam, das nun aber im Brennpunkt nicht nur des medizinischen Interesses stand: nämlich das Wissen vom Geschlecht. Charaktereigenschaften, anatomische Merkmale, biologische Substanzen und auch Kleidungsgewohnheiten wurden aufgezeichnet, ausgewertet und miteinander verglichen.

In zahllosen Fallstudien machten sich Mediziner wie Rudolf Virchow, Magnus Hirschfeld, Gustav Fritsch und andere auf die Suche nach dem Wesen der Geschlechterdifferenz. Aber was fanden sie? Mithilfe welcher Verfahren wurde die »Substanz« des Geschlechts sichtbar zu machen versucht? Wie waren also Bilder an der Hervorbringung von Evidenzen beteiligt? Wie »sicher« war dieses Wissen überhaupt? Und wie sehr war es von ästhetischen Vorstellungen sowohl über Körper als auch über Bilder durchzogen?

Die Arbeit argumentiert, dass das Körper- und Geschlechterwissen der Moderne nicht zuletzt das Ergebnis medialer und ästhetischer Bilderzeugungen ist.

Kathrin Peters

ist Professorin für Geschichte und Theorie visueller Kultur an der Universität der Künste Berlin. Zuvor war sie kuratorisch tätig und hat an verschiedenen Universitäten und Kunsthochschulen im Bereich Medienwissenschaft, Fotografietheorie, Gender Studies, Kunst und Medien gelehrt und geforscht, von 2011–2014 als Professorin an der Universität Oldenburg. Sie ist Redaktionsleiterin der Zeitschrift für Medienwissenschaft.

Petra Löffler, Kathrin Peters
Aufzeichnen
(S. 10 – 13)
Kathrin Peters
Spezifik allerorten
(S. 193 – 197)
Ulrike Bergermann, Florian Ebner, ...
Kairo. Offene Stadt
(S. 97 – 109)
Kathrin Peters, Andrea Seier
Gender & Medien
(S. 9 – 20)
Kathrin Peters
Einleitung: Zeichen, Dinge, Räume
(S. 325 – 336)

»Der medizinische Positivismus beschreibt eine technisch-epistemologische Zäsur, die Hermaphroditismus als Abweichung und nicht mehr als Wunder fasst. Die Ikonografie der Doppelwesen wurde ungültig; an ihre Stelle sind Archive von Genitalfotos und Nacktaufnahmen getreten.«

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