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Diskurs

Eine Form für den Gesellschaftskörper
Eine Form für den Gesellschaftskörper

Igor Chubarov

Das Kollektivsubjekt oder die Masse als Subjekt

Im Grunde wurde das revolutionäre Ereignis in Evreinovs Performance auf der Ebene des theatralen Gestus und der therapeutischen Gestalt erst gestärkt und entwickelt. Auch Sergej Ejzenštejn hat sich, wenn auch später und wenn er dies auch abgestritten hat, in seinem Oktober wahrscheinlich auf Evreinovs in Fotografien und Chroniken dokumentierte Inszenierung gestützt. Anhand ebendieser Chroniken haben spätere Generationen von Sowjetbürgern die Revolution erinnert und wahrgenommen. Evreinov hat mit seiner Performance die Perspektivlosigkeit des naturalistischen Theaters bewiesen, welches einfach nur versucht, die...
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News + Veranstaltungen

Sturm auf den Winterpalast: Geschichte als Theater

23.09.2017 – 25.10.2017

Gessnerallee Zürich
Gessnerallee 8
8001 Zürich
Schweiz

Straub/Huillet: Sagen Sie's den Steinen

13.09.2017 – 19.11.2017

Akademie der Künste
Hanseatenweg 10
10557 Berlin
Deutschland

Dauerausstellung »Gesichtsüberwachungsschnecken« von Yves Netzhammer

05.09.2017 – 05.09.2018

U-Bahn-Station Altes Landgut (U1)
1100 Wien
Österreich

 

Themen
Aktuelle Texte

Mário Gomes

Über literarische Sprengkraft

Kaum etwas setzt schneller Rost an als Kriegsgerät und Literatur. Da nützt weder Pflege noch Wartung, am besten ist es, man lässt das Material einrosten und rüstet derweil am anderen Ende nach, erweitert Bestände, feilt an Technologien und poliert vor allem die Oberflächen auf Hochglanz, bzw. man nimmt den einfachen Weg und lässt eine Glanzschicht auftragen – einen feinen, seidenen Film –, denn so geht das heutzutage: man trägt auf. Dieser chemische Glanz der Panzer und Bücher kommt von der Sprühdose. Er hält allerdings nicht lange, sondern schwindet, sobald das Auge sich abwendet, und das Auge wendet sich schnell ab. Wo der Blick dann aber als nächstes hin eilt, glitzert und funkelt es wieder: bei jeder Militärparade wie bei jeder Buchmesse.

Dieser Glanz ist jedoch bei weitem nicht das einzige, was Krieg und Literatur verbindet. Ihre Verknüpfungen sind vielfältig und verworren. Wo Gewalt aufhört und das Schriftzeichen anfängt, ist selten klar,...

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Der Schrecken ist das Zeichen des Phantasmas
Der Schrecken ist das Zeichen des Phantasmas

Pascal Quignard

Die Mysterienvilla

Man muss sich ihrem Geheimnis so weit überlassen, dass der Blick davon nicht behindert wird. Allein der Schlaf enthüllt es dem Träumer in Form von Traumbildern, doch nur ihm allein. Seinen Traum teilt man mit niemandem. Man teilt ihn nicht einmal mit der Sprache. Das Schamgefühl betrifft das Geschlecht als Geheimnis. Dieses Geheimnis ist der Sprache nicht zugänglich, nicht nur, weil es bereits Jahrtausende vor der Sprache bestand, sondern vor allem, weil es an ihrem Ursprung ist, und zwar jedes...
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Aktuelle Texte

Frank Schirrmacher

Ruedi Widmer im Gespräch mit Frank Schirrmacher

Frank Schirrmacher Das Universum wird heute in den Maschinen gespeichert. Das ist das Credo der NSA: Um die Nadel im Heuhaufen zu finden, brauche ich den Heuhaufen. Da Prinzip ist, so viel wie immer möglich in diesen Kosmos reinzuziehen, um daraus anschließend Werte oder Sinn zu generieren.


 

Ruedi Widmer Zu entscheiden, was die entscheidende Information ist, wäre ja eigentlich Sache der Gemeinschaft, in deren Auftrag oder Namen eine NSA zumindest vorgeblich operiert. Diese Gemeinschaft gestaltet, wenn man sie sich als demokratisch verfasst vorstellt, ihre Zukunft. Wie Sie sagen, bekommt, wer Alternativen vorschlägt, die Antwort: Es gibt keine Alternative. Und daran scheint man sich zu gewöhnen. Ich denke, die Gesellschaft ist paralysiert, weil sie pluralisiert ist. Vor der Automatisierung kommt die Atomisierung.


 

Frank Schirrmacher Das entspricht ja zunächst dem Stand der klassischen kritischen Theorie der 60er Jahre. Jetzt aber ist, wie Sie richtig sagen, die Gesellschaft in einen Prozess der Automatisierung eingetreten. Das...

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Aktuelle Texte

Dirk Baecker

Sache der Wissenschaft oder Person des Studenten?

Wie ein Dozent sein Prüfungsgeschäft versteht, macht die Korrektur direkt und indirekt deutlich, durch das, was geschieht, und durch das, was nicht geschieht. Die Minimalbedingung einer Korrektur ist, dass die stattgefundene Bewertung mit einer Note oder der Entscheidung bestanden/durchgefallen darauf hinweist, dass es eine Korrektur gegeben hat. Worauf diese Korrektur angesichts der Prüfungsleistung geachtet hat, was ihr positiv und negativ aufgefallen ist, was als richtig oder falsch, was als originell oder auswendig gelernt, was als oberflächlich oder reflektiert gewertet wurde, kann jedoch allenfalls dann erschlossen werden, wenn der Prüfer sich zu einem Kommentar entschließt, den er dem Prüfling zukommen lässt. […]

Der Gestaltungsspielraum, den die Korrektur auf der Ebene nicht der Bewertung, aber des Kommentars, das heißt der Begründung der Bewertung (noch) hat, verweist auf ein altes Selbstverständnis der Humboldt-Universität, das darauf vertraute, dass Dozent und Student erwachsen genug sind, um diesen Gestaltungsspielraum im Interesse beider auszuschöpfen. Das bedeutet nicht, dass...

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