Nutzerkonto

Literatur

Ein Kaleidoskop zwischen Traum und Literatur
Ein Kaleidoskop zwischen Traum und Literatur

Georges Perec

Die dunkle Kammer

Die Messung (der Name entfällt mir: Metronom, Rute) bei der man ad.lib. mehrere Stunden bleiben muss. Wie selbstverständlich. Der Schrank (die beiden Verstecke). Die Theateraufführung. Die Demütigung. ? . Die Willkür. Es ist eine Szene mit mehreren Personen. In einer Ecke ist eine Messlatte angebracht. Mir droht, wie ich weiß, dass ich mehrere Stunden darunter zu verbringen habe; es ist eher eine Schikane als eine wirkliche Folter, aber dennoch äußerst unangenehm, denn nichts hält das Messholz in der Höhe fest, und...
  • Spiel
  • Begehren
  • Psyche
  • Psychoanalyse
  • Phantasma

 

Aktuelle Texte

Tilmann Buddensieg

Zu Nietzsches zwei Venedig-Gedichten

Mein venezianischer Freund Vitale Zanchettin hat auf meine Bitte hin nachgefragt und im stattlichen Haus zwischen dem Fondaco dei Tedeschi und der Rialto-Brücke einen Restaurantbesitzer angesprochen. Er hat spontan von Familienerinnerungen an Nietzsche berichtet. Die Trattoria ist seit Generationen in Familienbesitz. Die Großmutter des heutigen Eigentümers konnte sofort das Zimmer zum Canal Grande und das Fenster zum Ponte Rialto aus Erzählungen der Eltern identifizieren. Das Zimmer Nietzsches im Mezzanin, zweites Fenster von links, ist heute die Küche der Trattoria mit dem Namen „Dal Buso“. Das ist ein obszönes venezianisches Dialekt-Wort für Loch und erinnert drastisch an das Kurtisanen-Viertel, in dem Nietzsche dieses Gedicht schuf.

  • Poesie
  • Nietzsche
  • Venedig
  • Literaturwissenschaft

 

»Wenn man eine solche Frau hat, lässt sich auch in Berlin leben.«
»Wenn man eine solche Frau hat, lässt sich auch in Berlin leben.«

Maria Zinfert

Lili Kracauer. Eine biographische Skizze

»Wenn man eine solche Frau hat, lässt sich doch auch in Berlin leben«, bemerkt Ernst Bloch im Sommer 1931 in einem Brief an den Freund Siegfried ­Kracauer.1 Die Frau, um die es hier geht, ist keine andere als Lili Kracauer. Mitte der 1920er Jahre hatte sie Kracauer in Frankfurt am Main kennengelernt und war mit ihm nach ihrer Heirat im März 1930 nach ­Berlin übergesiedelt. Weitere Stationen des gemeinsamen Lebens waren Paris und – nach ihrer Flucht vor den Deutschen... OPEN
ACCESS
  • Biographie
  • 1930er Jahre
  • 1950er Jahre
  • Archiv
  • Autobiographie
Aktuelle Texte

Tim Etchells

Ein merkwürdiges Märchen aus Endland (sic!)

Eines Nachts fuhr Taggy (Kurzform für Antagonistes) mit seinem Taxi die Spätschicht, und um 3 morgens war es ihm zu ruhig, mein Freund, und so hielt er bei Kev’s Kebab Kastell beim Brunnen und bestellte sich einen Kebab.

Es sah ganz danach aus, als ob es ohne Zwischenfall abgehen würde, aber dann tauchten ein paar langbeinige blonde Mädels auf und erregten A.s Aufmerksamkeit, inklusive Fallenlassen der Senfspenderspritze, Hinterherpfeifen und diverser überflüssiger Kommentare zu diversen Körperteilen.

Es dauerte nicht lange und eine Menschenmenge hatte sich versammelt und unser griechischer Freund sah sich über kurz oder lang in eine Riesenscheiße mit einem Haufen Kerle aus Doncaster verwickelt, die ihn in ihren Maestro stopften und davonfuhren.

Als Antagonistes erwachte, war er hinter dem Ladbrokes-Wettbüro in Meadowhead an einen Felsen gekettet, mit entblößtem Unterleib, und ein paar Adler fraßen seine Leber. Jeden Morgen war seine Leber nachgewachsen und jede Nacht kamen die Bastarde von Adlern wieder und...

  • Gewalt
  • Prometheus
  • Pulp
  • Popkultur
Aktuelle Texte

Reiner Schürmann

»Ich bin nicht gut im Vergessen. Ich kann es überhaupt nicht«

»Joan, die Vergangenheit, die man mir aufdrängt, will ich nicht. Mit dir suche ich mir eine andere, die lustiger ist.«


»Heute nachmittag gibt es ein Picknick. Am kleinen Wasserfall. Alle gehen hin.«


»Dein Afrolook gefällt mir.«


»Faß mal an. Aus Roßhaar.«


»Ich will meine Hände drin vergraben. Mich festklammern. Meinen Kopf drin verstecken. Du wirst mich aus diesen üblen Schwaden herausholen.«


»Von wegen Schwaden. Die sind hier drinnen. Hinter dieser Stirn, da drinnen schwelt es.«


»Nein, sie kommen einfach, umrißlos. Selbst du schaust mich so an, wenn du redest…«


Unsere schwitzenden Leiber ziehen die Fliegen an. Die Luft ist zum Ersticken. Selbst die Bremsen sind benommen. Sie versuchen nicht ein­mal davonzufliegen, wenn man sie zerquetscht. Mechanische Handgriffe. Ich verbrenne mich an meiner Gürtelschnalle. Der Schatten bildet einen schwarzen Fleck um uns, doch auch hier herrscht dieselbe Hitze. Ich habe jede Vorstellung von Kühle verloren. Vor uns das riesige Baumwollfeld. Weiße Fasern überall, wie Speichelflocken. Joan und ich...

  • 1968
  • Erinnerung
  • Jugend
  • Autobiographie
  • Homosexualität