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Joseph Vogl

Das Gespenst des Kapitals

Broschur, 224 Seiten

ISBN 978-3-03734-116-2

€ 14,95, CHF 18,90

ePub

ISBN 978-3-03734-845-1

€ 12,99, CHF 15,00

»Resonanzkatastrophen sind ganz und gar systemkonform«

Angesichts der Ereignisstürme im gegenwärtigen Finanz­geschäft widmet sich Joseph Vogl den Wahrnehmungs­weisen, Theorien und Problemlagen dessen, was man mit gutem Grund immer noch Kapitalismus nennen muss. Gerade Finanzmärkte gelten als das Marktgeschehen schlechthin: Unbelastet von den Beschwernissen der Produktion sind sie – für die herrschende ökonomische Doktrin – Schauplätze eines perfekten Wettbewerbs und idealer wirtschaftlicher Ausgleichprozesse: ein segensreiches Zusammenspiel von gewinnorientierten und also ebenso rationalen wie zuverlässigen Akteuren. Darum wollte man in Spekulationsblasen und Crashs bloße Anpassungskrisen oder jene Ausnahmesituationen erkennen, die im irrationalen Überschwang eines vielleicht gierigen, vielleicht inkompetenten oder schlicht rücksichtslosen Spekulationswesens gründen.

Hier setzen die Fragen des Essays an: Sind die irrationalen Exuberanzen wirklich Ausnahmefälle oder nicht eher reguläre Prozesse im Getriebe kapitalistischer Ökonomien? Reicht die Unterscheidung von rational und irrational überhaupt hin, die Effekte dieses Systems zu fassen? Begegnet ökonomische Rationalität hier nicht unmittelbar ihrer eigenen Unvernunft? Arbeitet das System tatsächlich effizient und rational?

Einer ebenso historischen wie theoretischen Sondierung folgend, hegt der Essay einen grundlegenden Zweifel darüber, ob die alte liberale Hoffnung auf die ausgleichende Ordnungsmacht des Marktes – Adam Smiths berühmte ›unsichtbare Hand‹ – noch gerechtfertigt ist. So wenig der Kapitalismus als reiner Rationalisierungsprozess beschrieben werden kann, so wenig lassen sich Spekulation und Spekulanten als verworfene oder pathologische Ausnahmegestalten begreifen. Das liegt nicht zuletzt an den Dynamiken der modernen Finanzökonomie, die sich auf die Wirkungsweise einer stets offenen und ungewissen Zukunft verpflichtet. Für die Märkte der futures und Derivate ist Zukunft, d.h. Zeit zur unerschöpflichen Ressource geworden. Im Zentrum steht das Wissen um jene scheinbar irregulären Ereignisse, in denen die finanzökonomische Welt unlesbar und undurchschaubar geworden ist: Hier wirken Ungewissheit und Instabilität im Herzen des Systems; und hier vollzieht sich ein Angriff der Zukunft auf die übrige Zeit – das Gespenst des Kapitals.

  • Finanzkrise
  • Ökonomie
  • Homo oeconomicus
  • Diskursgeschichte
  • Kapitalismus
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Politische Ökonomie
  • Finanzmärkte
  • Kapitalismuskritik

»So pointiert, faktengesättigt und geistesgeschichtlich inspiriert kommt keine zweite Analyse unserers Wirtschaftssystems daher.« Christian Geyer, FAZ

Joseph Vogl

ist Professor für Neuere deutsche Literatur, Literatur- und Kulturwissenschaft/Medien an der Humboldt-Universität zu Berlin und Permanent Visiting Professor an der Princeton University, USA. Mit »Das Gespenst des Kapitals« (2011) hat Joseph Vogl  »einen heimlichen Bestseller geschrieben, der weit über die Feuilletons Aufsehen erregte« (DER SPIEGEL).

Joseph Vogl
Lovebirds
(S. 51 – 63)
Joseph Vogl
Beliebige Räume
(S. 57 – 67)
Joseph Vogl
Regierung und Regelkreis
(S. 67 – 79)
Bernhard Siegert, Joseph Vogl
Vorwort
(S. 7 – 9)
Joseph Vogl
Leibniz, Kameralist
(S. 97 – 109)
Friedrich Balke, Joseph Vogl, ...
Einleitung
(S. 7 – 18)
Joseph Vogl
Lebende Anstalt
(S. 21 – 33)
Anne von der Heiden, Joseph Vogl
Vorwort
(S. 7 – 12)
Joseph Vogl
Das charismatische Tier
(S. 119 – 130)
Joseph Vogl
Kreisläufe
(S. 99 – 117)
Sabine Schimma, Joseph Vogl
Vorwort
(S. 7 – 12)
Joseph Vogl
Bemerkung über Goethes Empirismus
(S. 113 – 123)
Joseph Vogl
Luft um 1800
(S. 45 – 53)
Joseph Vogl
Gezähmte Zeit
(S. 61 – 71)
Joseph Vogl
Lernen, lebenslanges
(S. 227 – 230)
Joseph Vogl
Der Amokläufer
(S. 13 – 18)
Joseph Vogl
Unendlichkeit und Zufälligkeit
(S. 65 – 75)
Alexander Kluge, Joseph Vogl
Kleinholland auf den Pfefferinseln
(S. 187 – 208)
Alexander Kluge, Joseph Vogl
Was für einen Roman erzählt die Börse?
(S. 247 – 258)
Alexander Kluge, Joseph Vogl
Ein Labyrinth ohne Anfang und Ende
(S. 309 – 320)

»Wie einmal das Erdbeben von Lissabon aus dem Jahr 1755 die Grundlagen neuzeitlicher Theodizeen erschütterte, so geht es angesichts der Finanzbeben der letzten zwanzig Jahre um das wissenschaftliche Format ökonomischen Wissens.«

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