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Ulrike Sprenger: Fräulein Sekretär: Prousts Schreiber
Fräulein Sekretär: Prousts Schreiber
(S. 163 – 174)

Ulrike Sprenger

Fräulein Sekretär: Prousts Schreiber

PDF, 12 Seiten

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Ulrike Sprenger

studierte Romanistik, Germanistik und Anglistik an der LMU München und der Università degli Studi in Bologna. Im Oktober 1997 wurde ihre Doktorarbeit der Doktorarbeit mit dem Max-Weber-Preis der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet. Sie war Autorin und Interviewpartnerin für Alexander Kluges TV-Kulturmagazine über literarische und gesellschaftspolitische Themen. Seit 2005 ist sie Professorin für Romanische Literaturen und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz

Bernhard Siegert (Hg.), Joseph Vogl (Hg.): Europa: Kultur der Sekretäre

Eine Grundregel unserer Schriftkultur besagt seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, dass ein Autor immer etwas anderes und immer mehr sei als ein bloßer Schreiber. Diese Regel hat Werke und Schulen, Texte und Kommentare hervorgebracht und dabei vergessen gemacht, was stets den Boden dieser repräsentativen Kulturarbeit bereitet: ein unaufhörliches Auf- und Abschreiben, Verzeichnen, Registrieren und Archivieren. Eine europäische Kultur der Sekretäre wird in den Aufsätzen dieses Bandes historisch und thematisch im weitesten Sinne begriffen. Sie schließt den apostolischen Auftrag als Sekretariat des göttlichen Wortes ebenso ein wie die graue Arbeit des Kanzlisten im Dienste eines abendländischen Gerichtswesens; sie reicht von den Archivaren und Bibliothekaren der neuzeitlichen Gedächtnisbürokratie bis hin zum Stand von Sekretärin oder digitalen Techniken im modernen Büro; sie wird von der unermüdlichen Arbeit mittelalterlicher Kopisten ebenso geprägt wie von der neueren Machtfigur des General- und Parteisekretärs. In allen diesen Fällen lässt sich die Gestalt des Sekretärs ganz allgemein als eine Schaltstelle von Daten und Botschaften begreifen, die die grundsätzliche Fremdheit der Rede in die autorisierten Formen des Befehls und der Rechtsprechung, der Wahrheitsrede und der Kunst übersetzt. Das Imaginäre einer europäischen Kultur wird ermöglicht und überliefert durch das Reale einer sekretären Politik – als einer Politik der Namen und Taten, der ›res gestae‹ im weitesten Sinn.