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Horst Wenzel: Sekretäre – heimlîchaere
Sekretäre – heimlîchaere
(S. 29 – 43)

Der Schauraum öffentlicher Repräsentation und die Verwaltung des Geheimen

Horst Wenzel

Sekretäre – heimlîchaere
Der Schauraum öffentlicher Repräsentation und die Verwaltung des Geheimen

PDF, 15 Seiten

  • Europa
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Horst Wenzel

ist ein deutscher Alt-Germanist. Bekannt ist er vor allem wegen seiner Beiträge zu einer Germanistik als Kulturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Mediengeschichte. Wenzel studierte Germanistik, Geographie und Philosophie an der FU Berlin. Seit 1993 ist er Professor für Ältere deutsche Philologie an der Humboldt-Universität in Berlin.

Bernhard Siegert (Hg.), Joseph Vogl (Hg.): Europa: Kultur der Sekretäre

Eine Grundregel unserer Schriftkultur besagt seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, dass ein Autor immer etwas anderes und immer mehr sei als ein bloßer Schreiber. Diese Regel hat Werke und Schulen, Texte und Kommentare hervorgebracht und dabei vergessen gemacht, was stets den Boden dieser repräsentativen Kulturarbeit bereitet: ein unaufhörliches Auf- und Abschreiben, Verzeichnen, Registrieren und Archivieren. Eine europäische Kultur der Sekretäre wird in den Aufsätzen dieses Bandes historisch und thematisch im weitesten Sinne begriffen. Sie schließt den apostolischen Auftrag als Sekretariat des göttlichen Wortes ebenso ein wie die graue Arbeit des Kanzlisten im Dienste eines abendländischen Gerichtswesens; sie reicht von den Archivaren und Bibliothekaren der neuzeitlichen Gedächtnisbürokratie bis hin zum Stand von Sekretärin oder digitalen Techniken im modernen Büro; sie wird von der unermüdlichen Arbeit mittelalterlicher Kopisten ebenso geprägt wie von der neueren Machtfigur des General- und Parteisekretärs. In allen diesen Fällen lässt sich die Gestalt des Sekretärs ganz allgemein als eine Schaltstelle von Daten und Botschaften begreifen, die die grundsätzliche Fremdheit der Rede in die autorisierten Formen des Befehls und der Rechtsprechung, der Wahrheitsrede und der Kunst übersetzt. Das Imaginäre einer europäischen Kultur wird ermöglicht und überliefert durch das Reale einer sekretären Politik – als einer Politik der Namen und Taten, der ›res gestae‹ im weitesten Sinn.