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Burkhardt Wolf: Die Allseele hinterm Diopterloch
Die Allseele hinterm Diopterloch
(S. 141 – 161)

Fechners Psychographien im Licht von Mystik und Experimentalwissenschaft

Burkhardt Wolf

Die Allseele hinterm Diopterloch
Fechners Psychographien im Licht von Mystik und Experimentalwissenschaft

PDF, 21 Seiten

Gustav Theodor Fechner brachte das, was sich wissenschaftlich vom fluktuierenden psychischen Geschehen sagen lässt, auf die Formel des psychophysischen Grundgesetzes: »Die psychische Intensität ist der Logarithmus der zugehörigen physischen Intensität«. In dieser Formel ist ein Nahtstelle verdeckt, an der Ungeformtes in Empfindungen, Vorsubjektives in Bewusstsein und eine diffuse Bildlichkeit in Messwerte übergehen. Der zeitweilig erblindete Fechner hatte diesen Übergang in einer mystischen Erfahrung erlebt: Seine innere Welt präsubjektiver Intensitäten erschien ihm, sobald die Intensitäten eine gewisse Schwelle überschritten, als eine Welt konsistenter Ereignisse, in denen sich ein physisches in ein psychisches Geschehen transformierte.

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Burkhardt Wolf

Burkhardt Wolf

studierte Literaturwissenschaft, Philosophie und Kulturwissenschaften. Er lehrt am Institut für Deutsche Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin. Aktuell ist er Gastprofessor an der University of California, Santa Barbara. Zuvor war er im Bereich des Journalismus, der Ausstellungsplanung, des Verlagswesens und als Übersetzer tätig. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Poetologie der politischen Repräsentationen und Sozialtechnologien; Archivierungspraktiken; literarische Anthropologie und Affektgeschichte; DIskursgeschichte von Gefahr und Risiko; Mentalitätsgeschichte von Gewalt und Religion; Kultur- und Literaturgeschichte des Meers und der Seefahrt.

Weitere Texte von Burkhardt Wolf bei DIAPHANES
Cornelius Borck (Hg.), Armin Schäfer (Hg.): Psychographien

Armin Schäfer (Hg.), Cornelius Borck (Hg.)

Psychographien

Broschur, 352 Seiten

PDF, 352 Seiten

Die Psyche ist zum Inbegriff von Eigentümlichkeit und Identität des Menschen geworden, gleichwohl sie tief in neuroanatomischen Strukturen, biochemischen Prozessen und genetischen Dispositionen verankert ist und einem ständigen historischen Wandel unterliegt.

Dieser Band schreibt die Geschichte dieser permanent unruhigen Differenz als Teil einer allgemeinen Mediengeschichte: Handschrift und elektrische Schaltungen, Film und Rechenmaschinen, Literatur und Institutionen haben das Verständnis der Psyche maßgeblich geprägt. So erweist sich, dass sich die Psyche nicht von ihrer Erforschung abtrennen lässt, die dasjenige, was sie beschreibt, mit erzeugt: Es sind die Mächte der Medientechnologie, der Verwaltung und der Phantasmen, die den Anschein erwecken, dass der Mensch ein beseeltes Wesen sei.

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