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Ruben M. Hackler, Lucia Herrmann: »Political Justice«: Otto Kirchheimer und die Formierung eines wissenschaftlich-politischen Begriffs
»Political Justice«: Otto Kirchheimer und die Formierung eines wissenschaftlich-politischen Begriffs
(S. 181 – 194)

Lucia Herrmann, Ruben M. Hackler

»Political Justice«: Otto Kirchheimer und die Formierung eines wissenschaftlich-politischen Begriffs

PDF, 14 Seiten

Wer die Rechtsprechung nutzt, um den politischen Gegner zu schwächen, handelt den Grundprinzipien einer neutralen, dezidiert unpolitischen Justiz zuwider, die als der Norm- und Normalfall liberaler Rechtsstaaten angesehen wird. Diese bis heute dominierende Ansicht stellte Otto Kirchheimer 1961 mit seinem Buch Political Justice: The Use of Legal Procedure for Political Ends grundsätzlich in Frage, indem er politische Justiz als integralen Bestandteil liberaler Rechtsstaaten definierte. Der Kommentar geht auf die biografischen und editorischen Hintergründe von Kirchheimers Abhandlung ein und arbeitet das Spezifische an Kirchheimers Begriff der »politischen Justiz« in Abgrenzung zum Begriff der »Klassenjustiz« heraus. Kirchheimers Ansatz erkennt das Politische in der Justiz, zeigt aber auch die Grenzen der Politisierbarkeit auf und öffnet damit den Blick für konkrete politische Handlungsspielräume, Legitimierungsstrategien und Wahrheitsregime, die juristische Verfahren bis heute hervorbringen.
 

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Ruben M. Hackler

ist Doktorand am Historischen Seminar der Universität Zürich und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der ebendort angesiedelten Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. In seiner Dissertation beschäftigt er sich mit dem Verhältnis von Richterhabitus und Rechtspraxis in Deutschland zwischen 1870 und 1930. Er ist Mitglied im Graduiertenkolleg »Geschichte des Wissens«von ETH und Universität Zürich.

Weitere Texte von Ruben M. Hackler bei DIAPHANES

Lucia Herrmann

studierte bis 2012 Geschichte, Öffentliches Recht und Politikwissenschaft an der Universität Zürich und der Universitat de Barcelona. Seit 2013 ist sie wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl von Prof. Svenja Goltermann und Mitglied im Graduiertenkolleg des Zentrums »Geschichte des Wissens« (ZGW). Sie arbeitet an ihrem Dissertationsprojekt über Solidaritätskampagnen für politische Gefangene und die sich wandelnde Bedeutung von Recht für politischen Protest im Spätfranquismus.

Monika Dommann (Hg.), Kijan Malte Espahangizi (Hg.), ...: Nach Feierabend 2015

Obwohl Recht auf Wissen zurückgreift und neues Wissen produziert, ist der epistemische Status von Gesetzen, Gerichtsentscheidungen, Rechtsansprüchen und Gerechtigkeitsvorstellungen in der wissensgeschichtlichen Forschung bislang wenig beleuchtet worden. Diese Ausgabe untersucht den breiten Fundus von Wissen, der bei der Formulierung von Rechts- und Gerechtigkeitsansprüchen ebenso ins Spiel kommt wie bei Praxen des Anklagens, Ermittelns oder Urteilens. Auf welche Weise und in welcher Form finden dabei Wissensbestände aus anderen Disziplinen, Gesellschaftssphären und kulturellen Bereichen Eingang in die Rechtspraxis? Wie wirkt das Recht auf die Fabrikation von Wissen ein? Und welche Rolle spielen Kriterien und Praktiken der Rechtfertigung, der Zeugenschaft und der Macht?

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