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Sibylle Schmidt: Vom Recht, sein Wissen kundzutun
Vom Recht, sein Wissen kundzutun
(S. 83 – 106)

Zeugenschaft im Spannungsfeld von Evidenz und Gerechtigkeit

Sibylle Schmidt

Vom Recht, sein Wissen kundzutun
Zeugenschaft im Spannungsfeld von Evidenz und Gerechtigkeit

PDF, 24 Seiten

Kaum ein Beweismittel ist so umstritten wie der Zeugenbeweis: Aussagepsychologische Studien belegen, wie weit die Aussagen von Zeuginnen und Zeugen mitunter von den Tatsachen abweichen. Doch es zeichnet sich keineswegs ab, dass der Zeugnisbeweis in Strafverfahren an Bedeutung verliert – im Gegenteil: Zeugnisse spielen nach wie vor eine zentrale Rolle in nationalen, aber vor allem in internationalen Strafprozessen. Insbesondere in Transitional Justice-Prozessen und im Menschenrechtsdiskurs spielt die Praxis der Zeugenschaft geradezu eine Schlüsselrolle. Der Beitrag zeigt schlaglichtartig auf, wie sich die Bedeutung von (Opfer-)Zeugenschaft vor Gericht verändert hat. Er schließt mit der These, dass Zeugenschaft sich heute in doppelter Weise als ein Schnittpunkt von Recht und Wissen erweist: Einerseits ist das Zeugnis eine Wissensquelle, aufgrund derer Recht gesprochen wird. Andererseits verkörpert der Akt des Bezeugens selbst ein Recht, nämlich das Recht eines Menschen, das eigene Wissen auszusprechen bzw. für sich selbst zu sprechen.
 

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Sibylle Schmidt

ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt »Zeugenschaft – Ein umstrittenes Konzept« an der Freien Universität Berlin. Nach dem Studium der Philosophie und Neueren deutschen Literaturwissenschaft in Berlin, Freiburg und Paris promovierte sie 2013 an der Freien Universität Berlin mit der Arbeit Ethik und Episteme der Zeugenschaft. Derzeit forscht sie zu Fragen der Sozialen Erkenntnistheorie, Zeugen in den Künsten sowie zum Umgang mit Täterwissen als juridischer und historischer Zeugenschaft.

Monika Dommann (Hg.), Kijan Malte Espahangizi (Hg.), ...: Nach Feierabend 2015

Obwohl Recht auf Wissen zurückgreift und neues Wissen produziert, ist der epistemische Status von Gesetzen, Gerichtsentscheidungen, Rechtsansprüchen und Gerechtigkeitsvorstellungen in der wissensgeschichtlichen Forschung bislang wenig beleuchtet worden. Diese Ausgabe untersucht den breiten Fundus von Wissen, der bei der Formulierung von Rechts- und Gerechtigkeitsansprüchen ebenso ins Spiel kommt wie bei Praxen des Anklagens, Ermittelns oder Urteilens. Auf welche Weise und in welcher Form finden dabei Wissensbestände aus anderen Disziplinen, Gesellschaftssphären und kulturellen Bereichen Eingang in die Rechtspraxis? Wie wirkt das Recht auf die Fabrikation von Wissen ein? Und welche Rolle spielen Kriterien und Praktiken der Rechtfertigung, der Zeugenschaft und der Macht?

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