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Wissenschaft

Wildgewordener Frühkapitalismus 
in Ostindien
Wildgewordener Frühkapitalismus 
in Ostindien

Alexander Kluge, Joseph Vogl

Kleinholland auf den Pfefferinseln

Kluge: Gibt es einen Prototyp, einen Mann, der diesen holländischen Charaktertyp des bürgerlichen Menschen, des entschiedenen Menschen spiegelt?
 
 Vogl: Es gibt eben einen Typus, wenn man so will, realhistorisch, den ersten Gouverneur der Ostindienkompanie in Südostasien, Jan Pieterszoon Coen mit Namen, einen Typus, der das besondere Format des abendländischen Subjekts zu dieser Zeit verkörpert, einen Typus, der mit groben Unterscheidungen erfolgreich im Unübersichtlichen operiert, Zivilisation und Wildnis, Menschen und Barbaren. Ein gutes, effizientes Produkt europäischer Zuversicht, tatkräftig, zuverlässig und glaubensfest, Sympathisant...
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Thomas Huber

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Dieter Mersch

Digital Disrupture

Theorien des Digitalen beziehen ihre Konjunktur aus einer zweideutigen Lage. Zum einen besitzen sie ihre Herkunft in den Visionen und Utopien der gegenkulturellen Aufklärung der 1970er Jahre, aus denen nicht nur der Personal-Computer, sondern auch die Medienwissenschaften und Medientheorien hervorgegangen sind, die den digital disrupture theoretisiert und unter Reflexion gestellt haben und nach deren Diagnose wir vor einer ebenso nachhaltigen Zäsur stehen wie die frühe Neuzeit mit der Erfindung des Buchdrucks. Alle Zeichen und Inhalte bisheriger Kulturen stehen damit auf dem Prüfstand, werden transformiert und von einer Entwicklung überholt, deren weitere Dynamik kaum absehbar ist. Die mit der Digitalisierung verbundene technologische Wende, so die allgemeine Analyse, werde alle Lebensverhältnisse dermaßen verändern und von Grund auf durchschütteln, dass mit Marshall McLuhan und dessen zusammen mit Quentin Fiore verfassten Buch, dessen Titel ironischerweise nicht lautet: The Medium is the Message, sondern The Medium is the Massage, von einer gründlichen ›Massage‹ des gegenwärtigen...

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    minima oeconomica

    Analysen und Kritik moderner Ökonomie, deren Wissenschaft und Legitmation im Zeitalter der Finanzialisierung

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Aktuelle Texte

Stefan Zweifel

Macht und Ohnmacht der Literaturkritik

Der Autor kuschelt sich wie der Neurotiker auf der Couch und kuscht […]. Husch, husch ins Körbchen, sagt der Analytiker zu den Neurosen und der Neurotiker nickt und nickt. Husch, husch ins Wörtchen, sagt der Kritiker, und der Autor kuscht. 


Und das Publikum? Es klatscht. Der Dressurakt ist gelungen. Der Autor liefert dem Leser, was ihm der Kritiker vorschreibt, und der Leser liest das, was ihm der Kritiker verschreibt. Das Lesen als ­Strafkolonie.


Dabei aber, und das ist die alte Falle der Dialektik, kuscht der Kritiker selbst. Er kuscht vor sich selbst, vor jenem Selbst, dessen Rolle er brav ausführt, und vergisst, dass das Lesen letztlich eine Suche nach einem anderen Ich wäre. Nach einem Ich, das sich allen Zuschreibungen entzieht. 


Das Ich wird zum Anderen so, wie in den Übersetzungen die eigene Sprache sich ins Fremdartige weitet. Es ist genauso wenig die Aufgabe des Kritikers wie des Übersetzers, den fremden...

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»Die Maschine ist eine Fremde, die Menschliches einschließt«
»Die Maschine ist eine Fremde, die Menschliches einschließt«

Gilbert Simondon

Die Existenzweise technischer Objekte

Gilbert Simondon stellt sich in seiner philosophisch-technologischen Untersuchung dem ressentimentgeladenen Ausschluss der technischen Objekte aus der menschlichen Kultur ebenso entgegen wie technokratischen Machbarkeitsvisionen der Herrschaft durch Automaten. Stattdessen plädiert er für Anerkennung und Reflexion der Existenz eines Kollektivs aus Mensch, offenen technischen Maschinen und Natur. Simondons Ansatz vereint die detaillierte Analyse der Funktionsweisen etwa von Motoren, Elektronenröhren oder frühen Computern mit weitreichenden philosophischen Erwägungen. So zeichnet er nach, wie die Existenzweise der technischen Objekte sich in den Zeitaltern von Mechanik,...
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  • Anthropologie
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Aktuelle Texte

Erich Ribolits

Kritik als Widerstand gegen das Regiertwerden

Mit Bildung – als jenem Begriff, mit dem die Herausbildung des selbständigen Vernunftgebrauchs umschrieben wird – wird nach Kant bloß innere Freiheit angestrebt. Äußere Freiheit dagegen ist für ihn dezidiert nicht das Ziel von Bildung! Diesbezüglich formuliert er unmissverständlich, dass der Mensch im, wie er es bezeichnet, »bürgerlichen Amte«, also in Ausübung einer Funktion in der Gesellschaft, bloß Werkzeug sei und deshalb gehorchen müsse. Mit dieser Dichotomisierung von Freiheit definiert Kant das wohl wesentlichste und gleichzeitig am häufigsten verdrängte Bestimmungsmerkmal jener Idee menschlicher Weiterentwicklung, die unter dem Begriff Bildung in der Folge Furore gemacht hat und die den Umgang mit Lernen in den deutschsprachigen Ländern Europas bis heute massiv prägt: Bildung meint Selbstbeherrschung, nicht jedoch Widerstand gegen politisch auferlegte Herrschaft!

In letzter Konsequenz überschreitet Kant mit seiner Theorie des Erlangens von Mündigkeit durch den autonomen Vernunftgebrauch die Vorstellung des regierungsbedürftigen Individuums somit nicht wirklich. Trotz seiner Aufforderung, Mut zum autonomen Gebrauch des Verstands...

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Aktuelle Texte

Simon Roloff

Arbeitsmarkt

Robert Walsers Roman Jakob von Gunten beschreibt das Schicksal einer bekannt und zugleich überaus rätselhaft wirkenden Institution. Obwohl sie als Erziehungseinrichtung gehandelt wird, scheint Bildung in einem gymnasialen, polytechnischen oder gar klassisch universitären Sinn nicht ihr Ziel zu sein. Gleich zu Beginn heißt es mit aufsässiger Resignation von einem Schüler: »Man lernt hier sehr wenig, es fehlt an Lehrkräften, und wir Knaben vom Institut Benjamenta werden es zu nichts bringen, das heißt, wir werden alle etwas sehr Kleines und Untergeordnetes im späteren Leben sein.« Das Potential und die Freiheitsgrade der hier nur »Zöglinge« genannten Unterrichteten wird also durch das Institut nicht erhöht, sondern planvoll vermindert. Die in der Lehre eingesetzten Übungen und Verhaltensregeln bestehen zu diesem Zweck nur in end- und grundlosen Wiederholungen, in denen die Tätigkeit verschiedenster Berufe, der Alltag der das Institut umgebenden Stadt und der Habitus sozial höherstehender Schichten nachgeahmt werden. In dieser Zwangsmimesis am Bestehenden scheinen...

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