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Wissenschaft

Jede Nummer eine Art Meta-Collage
Jede Nummer eine Art Meta-Collage

Stefan Zweifel

Georges Bataille. Geschichten des Auges

Abgehackte Rinderfüße vor Schlachthöfen, gewaltige Blutstriemen am Boden, hingepinselt nicht von Francis Bacon, sondern von anonymen Metzgergesellen, dann große Zehen von Menschen, die unsere verdrängte Unbeholfenheit und Hässlichkeit zeigen sollten, oder ersterbende Fliegen, die als dunkle Wolke des Todes auf Klebepapier wimmeln, zwischen all diesen fotografischen Ekelerregungskunststücken tauchte in der siebten Nummer der Zeitschrift »Documents« 1929 auch die Fotografie einer seltsam geformten Manuskriptrolle auf: die »120 Tage von Sodom«, jene schauerlichste Abrechnung mit dem Projekt der Aufklärung, die der Marquis...
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Dieter Mersch

Digital Disrupture

Theorien des Digitalen beziehen ihre Konjunktur aus einer zweideutigen Lage. Zum einen besitzen sie ihre Herkunft in den Visionen und Utopien der gegenkulturellen Aufklärung der 1970er Jahre, aus denen nicht nur der Personal-Computer, sondern auch die Medienwissenschaften und Medientheorien hervorgegangen sind, die den digital disrupture theoretisiert und unter Reflexion gestellt haben und nach deren Diagnose wir vor einer ebenso nachhaltigen Zäsur stehen wie die frühe Neuzeit mit der Erfindung des Buchdrucks. Alle Zeichen und Inhalte bisheriger Kulturen stehen damit auf dem Prüfstand, werden transformiert und von einer Entwicklung überholt, deren weitere Dynamik kaum absehbar ist. Die mit der Digitalisierung verbundene technologische Wende, so die allgemeine Analyse, werde alle Lebensverhältnisse dermaßen verändern und von Grund auf durchschütteln, dass mit Marshall McLuhan und dessen zusammen mit Quentin Fiore verfassten Buch, dessen Titel ironischerweise nicht lautet: The Medium is the Message, sondern The Medium is the Massage, von einer gründlichen ›Massage‹ des gegenwärtigen...

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60 Billiarden Moleküle

Thomas Huber

60 Billiarden Moleküle

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Jean-Luc Nancy

Des zétrangers des zah des zuh

Fremdartiger extraneus von draußen nicht von drinnen (intraneus) nicht von zu Hause unheimlich nicht von daheim
vor den Toren – fores foreigner nicht im Einklang zu viel odd irregulär nicht normal selten sonderbar seltsam merkwürdig besherat tapfer elegant eigensinnig durchgedreht verschroben falsch frappierend ungewöhnlich erstaunlich

 

Es ist erstaunlich wie reich wir sind an Wörtern Formen Weisen die um das seltsam Fremde des Ausländers kreisen der nicht unser Landsmann ist pas pays avec nous wie man früher in Frankreich sagte c’est un pays à moi für jemanden aus meinem Dorf meiner Gegend meiner Provinz meinem Nest

 

Reich im Übermaß für alles was nicht nah und eigen geeignet passend mitmenschlich ist kein Mitdasein

 

Denn wir nehmen an dass mit avec with stimmig gehaltvoll solide und solidarisch ist und dass das was without avecsans mitohne ist außermittig oder außermitmenschlich

 

Aber »mit« »selbig« »nah« verlangt das Abrücken das Außen

 

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  • minima oeconomica

    minima oeconomica

    Analysen und Kritik moderner Ökonomie, deren Wissenschaft und Legitmation im Zeitalter der Finanzialisierung

    • Finanzkrise
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    • Finanzmärkte
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  • Farbe und Bedeutung

    Farbe und Bedeutung

    Who is afraid of Red, Yellow, Blue…?

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    • Farbenlehre
    • Semiotik / Semiologie

 

»Die Maschine ist eine Fremde, die Menschliches einschließt«
»Die Maschine ist eine Fremde, die Menschliches einschließt«

Gilbert Simondon

Die Existenzweise technischer Objekte

Gilbert Simondon stellt sich in seiner philosophisch-technologischen Untersuchung dem ressentimentgeladenen Ausschluss der technischen Objekte aus der menschlichen Kultur ebenso entgegen wie technokratischen Machbarkeitsvisionen der Herrschaft durch Automaten. Stattdessen plädiert er für Anerkennung und Reflexion der Existenz eines Kollektivs aus Mensch, offenen technischen Maschinen und Natur. Simondons Ansatz vereint die detaillierte Analyse der Funktionsweisen etwa von Motoren, Elektronenröhren oder frühen Computern mit weitreichenden philosophischen Erwägungen. So zeichnet er nach, wie die Existenzweise der technischen Objekte sich in den Zeitaltern von Mechanik,...
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Aktuelle Texte

Cornelia Wild

Welches Maß kennt die Modularisierung?

Die Modularisierung erfolgt im Zeichen der Verwirklichung einer globalen Idee, in der immer wieder betont wird und betont werden kann, wie sehr diese als positive Möglichkeit und nicht als negative Unterdrückung verstanden werden soll. Diese Positivierung konfrontiert uns mit der Unmöglichkeit, uns dagegen zu wehren. Da die Trennung von Selbst und Staat verwischt worden ist, bedeutet jedes Aufbegehren immer auch, sich gegen sich selbst zu wenden. Anstatt zu rebellieren, reagieren die Betroffenen mit Erschöpfung (↑ Lebensführung, studentische). Doch nicht ein Mehr an Wissen führt zur Überforderung der »neuen« Studierenden, sondern die Überforderung resultiert aus der Unmöglichkeit, das zu erwerbende Wissen in eine individuelle Praxis zu überführen. Denn in dem Moment, in dem die individualisierte Technik des rechten Maßes nicht mehr aus eigenem Wunsch heraus erfolgt, kippt sie in eine repressive Maßnahme.

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Aktuelle Texte

Hans Ulrich Reck

Kunst im Zeitalter techno-imaginärer Mediosphären

Ein reizvolles und verfängliches, verführerisches und irreführendes Stichwort zugleich. Fragen wir unverzüglich: Handelt es sich um einen Ehrentitel gegenwärtigen, unbeirrt fortschreitenden Kunstschaffens? Oder gar um eine neue Berufsbezeichnung? Wird darüber gestritten, wird er verspottet, der neue Künstler, oder nicht doch, im Gegenteil, verehrt, weil in ihm der techno-imaginär erweiterte Alchemist sich erneut aufschwingt zu den Gipfeln bemühter wie umfassender, weil digital modellierter Weltschöpfung? Gilt uns dieser Künstler als kundiger Navigator für diejenige Umgestaltung der Welt, die den Menschen die entfremdeten und enteigneten Mächte der apparativ verfestigten Technik zurückbringt, um die unbeherrschbar gewordene, verschleierte Natur wieder lesbar und für menschliches Handeln zugänglich zu machen?


Steht es in der Macht oder auch Pflicht der Kunst, mit der Ohnmacht des »Humanen« zu brechen und die Handhabung der Apparate und Technologien in die Gesellschaft und letztlich – welch eine pathetische Figur – in die Geschichtsmächtigkeit des Menschen zurückzubringen, um die »großen Erzählungen« um Freiheit und Vernunft wieder...

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