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Stephan Kammer: 1726
1726
(S. 533 – 547)

Stephan Kammer

1726
»Homo diluvii testis«. Johann Jakob Scheuchzers doppelte Erfindung einer Naturgeschichte der Sintflut

PDF, 15 Seiten

Unter dem Regime eines rhetorisch-enzyklopädischen Wissensmodells gilt weniger das Neue als vielmehr das Situations- beziehungsweise Sachgerechte als Ziel von Inventionsprozessen. Und so bemüht sich der Schweizer Arzt und Naturforscher Johann Jacob Scheuchzer (1672–1733) darum, ein überzeugenderes Erklärungsmodell für die sogenannten ›Figurensteine‹ – in heutiger Terminologie: Fossilien – zu finden als das einer gelegentlich zweck- und vernunftfrei spielenden Natur. Fündig wird er in der biblischen Schöpfungsgeschichte: Die Petrefakte sind Sachzeugen des Sintflutgeschehens, die das Textzeugnis der Genesis komplementieren und stützen. Der Effekt dieser Invention besteht erstaunlicherweise weniger in einer (Re-)Theologisierung als vielmehr in der ersten systematischen Historisierung der Natur.

  • Kontingenz
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  • Dilettantismus
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Stephan Kammer

Stephan Kammer

hat nach einem Studium der Germanistik, Neueren allgemeinen Geschichte und Soziologie an der Universität Basel promoviert (im Jahr 2000) und von 2001 bis 2007 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für deutsche Sprache und Literatur II der Goethe-Universität Frankfurt am Main gearbeitet, wo er 2011 in Neuerer deutscher Literaturwissenschaft habilitierte. Von 2008 bis 2010 war er Visiting Fellow am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte Berlin. Seit 2008 hat er Vertretungs- und Gastprofessuren an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, der Ludwig-Maximilian-Universität München und der Universität Wien wahrgenommen. Seine Forschungsschwerpunkte sind Literatur- und Wissensgeschichte des Schreibens, Literaturtheorie und Medialität der Literatur, (deutsche) Literatur des 18. bis 21. Jahrhunderts.

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Wenn eine Kultur etwas als Erfindung akzeptiert, dann hat dieses Etwas bereits den Status einer Tatsache erhalten, die vorhanden ist und auf ihren Nutzen oder auf ihre Funktion hin befragt werden kann. Was aber geschieht davor? Wie gewinnt das Erfundene Wirklichkeit? Wie in der Kunst, wie im Theater, wie in der Literatur und Musik, wie in der Wissenschaft? Und mit welchen Folgen? Die Beiträge in diesem Band beschäftigen sich alle mit einem Moment oder einem bestimmten Modell der Invention. Ausgehend von den jeweils involvierten Medien wird der Versuch unternommen, diese Momente und Modelle zu rekonstruieren. Um etwas über die entsprechenden Inventionen in Erfahrung bringen zu können, werden diese als Ergebnisse oder Effekte von Improvisationsprozessen begriffen: Improvisationen in dem Sinne, dass von einem grundsätzlich offenen Zukunftsspielraum ausgegangen wird, gleichzeitig aber auch davon, dass es ein Umgebungs- und Verfahrenswissen gibt, das im Einzelfall beschrieben werden kann.

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